Sonntag, 29 Nov 2020
NRW akzeptiert die Atteste, ohne sie von Amtsärzten überprüfen zu lassen - um die Gesundheitsämter nicht noch mehr zu belasten, wie es aus dem Schulministerium heißt.
NRW akzeptiert die Atteste, ohne sie von Amtsärzten überprüfen zu lassen - um die Gesundheitsämter nicht noch mehr zu belasten, wie es aus dem Schulministerium heißt. Foto: novologic
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In der vergangenen Woche sind in Nordrhein-Westfalen 6355 Lehrer (3,1 Prozent von 205.000 Lehrern) zu Hause geblieben, weil sie nach Einschätzung ihres Arztes im Falle einer Infektion einen schweren Verlauf fürchten müssen. Eine Woche zuvor seien es noch 9225 (4,5 Prozent) gewesen, berichtet das WESTFALEN-BLATT unter Bezug auf das Schulministerium.

Es wird auf absehbare Zeit kein Ende der Corona-Gefahren geben.
Foto: Roberto Nickson

Das Reisen bleibt vorerst ein Risiko

Maike Finnern, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sagte der Zeitung: "Dass die Zahlen zurückgehen, zeigt, wie sehr Lehrkräfte daran interessiert sind, Schüler in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen." Auch NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) nannte den Rückgang "erfreulich" und sagte: "Die gestiegene Personalversorgung wird dazu führen, dass die Schulen auch in Corona-Zeiten für beste Bildung sorgen können."

Seit Ende Mai können sich Lehrkräfte in NRW nur noch vom Präsenzunterricht befreien lassen, wenn sie ein ärztliches Attest vorlegen. Aus dem muss hervorgehen, dass bei ihnen im Fall einer Corona-Infektion "die Gefahr eines schweren Verlaufs" besteht. Was die Haupt-Diagnosen in den tausenden Attesten sind - dazu möchte sich das Schulministerium nicht äußern.

NRW akzeptiert die Atteste, ohne sie von Amtsärzten überprüfen zu lassen - um die Gesundheitsämter nicht noch mehr zu belasten, wie es aus dem Schulministerium heißt. In Schleswig-Holstein hatte eine Kontrolle der Atteste zu einem Aufschrei der Lehrergewerkschaften geführt. In dem Bundesland mit seinen etwa 25.000 Lehrern hatten bis Mitte Juni 1609 Lehrkräfte ein haus- oder fachärztliches Attest vorgelegt. Eine Amtsärztin hatte bis Mitte Juni 780 Atteste kontrolliert, aber nur in 32 Fällen einer Unterrichtsbefreiung zugestimmt. Nach massiver Gewerkschaftskritik sieht die Quote inzwischen anders aus: Wie eine Sprecherin des Ministeriums in Kiel dem WESTFALEN-BLATT sagte, seien von inzwischen 2000 überprüften Attesten jetzt 1900 akzeptiert.

Dennoch hat das Verwaltungsgericht Schleswig nach Ministeriumsangaben jüngst acht Klagen von Lehrern gegen die Ablehnung ihres Attests abgewiesen, eine weitere Klage wurde zurückgenommen.

Quelle: ots/Westfalen-Blatt
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