Samstag, 25 Sep 2021
Das Land Berlin macht es vor: Dort stehen für Paare Fördergelder zu Samenspenden bereit, gleich, welche sexuelle Orientierung die Betroffenen haben.
Das Land Berlin macht es vor: Dort stehen für Paare Fördergelder zu Samenspenden bereit, gleich, welche sexuelle Orientierung die Betroffenen haben. Foto: Charles Deluvio
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Ein Baby zu bekommen, ist für viele ein großes Glück. Für manche allerdings ist es ein Wunsch, der nie in Erfüllung geht. Jedes zehnte heterosexuelle Paar zwischen 25 und 59 in Deutschland ist nach Zahlen des Bundesfamilienministeriums ungewollt kinderlos. Natürlich gibt es längst die Möglichkeit zu helfen: Ärzte und Wissenschaftler haben ihr Können. Der Staat hat Geld und Gesetz. Und doch lässt die öffentliche Hand hier zu viele Menschen allein.

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Wenn der Mann unfruchtbar oder eine Frau alleinstehend ist, wenn homosexuelle Paare ein Kind möchten, dann bleibt neben Adoption nur der Weg per Samenspende. Auf dem medizinisch begleiteten Weg über eine Samenbank kann das mehrere tausend Euro kosten. Das ist viel Geld. Und wer diesen Batzen nicht mal eben irgendwo herumliegen hat, den zwingen die hohen Kosten zur Suche nach einem Privatspender. Das kann gut verlaufen - oder dubios, denn im privaten Rahmen gelten die strengen Regeln und die Rechtssicherheit der Samenbank-Spende nicht. Im Zweifel verliert hier jeder: Mutter, Erzeuger und Kind.

Doch der Verzicht, ein "Damit-Abfinden", ist eben nicht für alle eine Lösung. Man sucht sich einen innigen Kinderwunsch nicht aus. Er ist da oder eben nicht. Und für die, die ihn hegen, kann Kinderlosigkeit zu einer Bürde werden, die stark ins Leben einschneidet. Wer hier argumentiert, das sei dann eben von der Natur so nicht gewollt, dem sei gesagt: Auch die Wiederbelebung nach einem Herzinfarkt kommt im natürlichen Kreislauf des Lebens nicht vor. Die Medizin hat längst die Fertigkeiten, neuem Leben etwas nachzuhelfen. Das tut sie, das darf sie ja auch. Nur können sich viele das nicht leisten. Der Staat sollte hier unterstützen, statt eine Zweiklassengesellschaft aufrechtzuerhalten.

Genau das tut er aber, wenn sich nur Gutverdiener den Gang zur Samenbank leisten können. Mehr noch: Selbst für die, die es sich leisten können, wird das Kind so zum Spekulationsobjekt, denn nicht jeder Behandlungsversuch führt zu einer Schwangerschaft. Bekomme ich für 2000 Euro mein Lebensglück erfüllt? Erst mit 7000 Euro? Oder muss ich 10 000 Euro berappen und nichts passiert? Wenn Geld die Basis dafür legt, ob ein Kind entstehen darf, ist das grundfalsch.

Um zu helfen, wären die Krankenkassen die beste Anlaufstelle. Sie könnten im gesetzlichen Auftrag Kosten übernehmen. Für eine solche Lösung plädieren auch Kinderwunsch-Initiativen. Es wäre unbürokratisch und eine echte Erleichterung für die Betroffenen. Das will der Staat aber nicht. Das Bundesgesundheitsministerium verweist darauf, dass ein Kinderwunsch Familienpolitik sei. Und dass man doch Förderprogramme des Bundes und der Länder habe. Das stimmt, die gibt es. Eine wirkliche Hilfe sind sie für viele allerdings nicht, weil sie Menschen ausschließen: Hier werden lediglich heterosexuelle Paare unterstützt. Und das auch nur, wenn Samen- und Eizellen des Partners verwendet werden. Bei einer nicht behandelbaren Unfruchtbarkeit nützt das nichts. Der Kinderwunsch homosexueller Paare scheint nach dieser Förderlogik sowieso egal zu sein - und eine alleinstehende Frau des 21. Jahrhunderts darf zwar arbeiten, aber ein Kind? Das soll sie mal schön vergessen.

Dabei geht es auch anders. Das Land Berlin macht es vor: Dort stehen für Paare Fördergelder zu Samenspenden bereit, gleich, welche sexuelle Orientierung die Betroffenen haben. In Bayern gibt es nur für das traditionelle Familienmodell Geld - und wer mit seinem Partner (auch künstlich) kein Kind zeugen kann, hat Pech. Der Freistaat gibt sich sonst in allem Mühe, vorne mitzumischen und am besten zu sein. Ausgerechnet in Sachen gleichberechtigte Familienpolitik lässt er sich vorführen. Das ist armselig.

Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
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