Samstag, 25 Sep 2021
Die Reiselust scheint den Bundesbürgern trotz allem erstmal nicht grundlegend abhanden gekommen zu sein.
Die Reiselust scheint den Bundesbürgern trotz allem erstmal nicht grundlegend abhanden gekommen zu sein. Foto: Michael Siebert
 2-3 Minuten Lesezeit  547 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Hurra, es kann wieder losgehen. Mallorca hat die ersten Fuhren deutscher Urlauber empfangen. Wir können allmählich zurück ans Meer, an warme Strände. Das beschränkt sich noch weitgehend auf Europa, aber immerhin. Die Frage lautet aber: Wollen wir das noch so wie früher, vor Corona? Trauen wir uns so weit weg wie wir das zuletzt gewohnt waren? Revidieren wir unsere Bedürfnisse und Wünsche beim Reisen, bei der Art und Weise, wie wir unsere Freizeit, unseren Urlaub verbringen?

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Foto: Stefan Brending / CC BY-SA 3.0 DE (via Wikimedia Commons)

Durch Corona so viel Zeit wie noch nie im Garten verbracht

Tourismusforscher und -unternehmen zerbrechen sich gegenwärtig die Köpfe darüber und müssen eingestehen: Sie wissen es nicht. Wünschenswert aber wäre es, dass die Menschen anders reisen: Ohne Natur und Kultur niederzutrampeln, ohne an irgendwelche Traumspots hinzujetten, nur weil man auf Instagram beeindruckende Fotos von die ganze Welt heimsuchenden Influencern gesehen hat und sich das ganz toll in der eigenen Timeline macht.

Die Reiselust scheint den Bundesbürgern trotz allem erstmal nicht grundlegend abhanden gekommen zu sein. Kaum sind die Reisewarnungen für 27 europäische Länder aufgehoben, berichten TUI und DER von anziehenden Buchungen. Das ist keine Überraschung nach der Starre der vergangenen Monate, in der niemand wusste, wohin die Reise geht - in jeglicher Hinsicht. Gefragt sind zunächst die Nahziele. Das hat wohl weniger damit zu tun, dass ferne Sehnsuchtsorte keine Anziehungskraft mehr ausüben würden. Vielmehr fühlt sich der Reisende, wenn er denn die heimische Scholle momentan überhaupt zu verlassen bereit ist, umso sicherer, je weniger entfernt er sich von daheim befindet. Spanien fühlt sich in der Nach-Krisenzeit für einen Deutschen berechenbarer an als Vietnam. Oder man bleibt noch näher. Darauf deuten momentan jedenfalls die florierenden Geschäfte mit Fahrrädern und Campingmobilen hin.

Beides verkauft sich in atemberaubendem Tempo und steht für eher entschleunigtes Reisen oder für Ausflüge in der näheren Umgebung. Beide Trends bergen die Chance, sich auf attraktive Reiseziele zu besinnen, die ohne eine halbe Weltumrundung erreichbar sind. Wer häufig weit geflogen ist, weiß ja auch: die fernen, Exotik verheißenden Traumziele bergen mitunter Enttäuschungen. Einsame Orte fernab der Zivilisation gibt es so gut wie nicht mehr. Der Reisenden sind zu viele. Es sind und waren überall schon viele da. Und nun Social Distancing wegen Corona? Wer mal mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch Indien gereist ist, weiß: Zwischen Fischen in Dosen ist noch reichlich Platz. Und wir wissen auch: Der Charme des Reisens, das Unterwegssein als gewinnbringendes Erlebnis, war bei Flugreisen schon längst perdu. Sie hatten nichts mehr mit Luxus und Abenteuer zu tun, sondern vor allem mit Gedränge, mit Stress in riesigen Schlangen an Sicherheitsschleusen, immer engeren Sitzreihen und appetitzügelnder Verpflegung. Man muss es überstehen und sich danach davon erholen. Unter solchen Umständen gewinnen nahe Ziele durchaus an Charme.

Dennoch werden wir nicht alle Garten und Balkon zum Urlaubstraum erheben und uns einreden, dass es zuhause doch am schönsten sei. Wer das bislang so empfunden hat, wird das weiter tun. Die meisten anderen werden weg wollen. Reisen hat sich zu einem Grundbedürfnis entwickelt. Immerhin erscheint es möglich, dass sich die Menschen sich zwar bald in Scharen aufmachen ins Woanders, dieses aber näher liegt als bisher. Es besteht zumindest die Hoffnung, dass wir uns künftig Ein-Wochen-Trips nach Fernost oder Dreitages-Trips zum Shoppen nach New York verkneifen. Zuletzt wurde immer weiter geflogen für immer weniger Tage am Urlaubsort. Das ist mit nur einem bisschen Sensibilität für den Klimaschutz unvertretbar.

Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
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